Illegales Glücksspiel in Bulgarien ist ein wachsendes Problem
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In Bulgarien hat das illegale Online-Glücksspiel alarmierende Ausmaße angenommen. Rumen Petkov, Vorsitzender der Partei Alternative für Bulgarische Wiedergeburt (ABV), warnte kürzlich auf einer Pressekonferenz, dass bis zu 5.174 Online-Casinos ohne gültige Lizenz im Land operieren könnten. Diese Zahl steht im krassen Gegensatz zu den lediglich 25 lizenzierten Glücksspielanbietern, die von der bulgarischen Glücksspielaufsichtsbehörde (NRA) registriert sind.
Petkov betonte die weitreichenden negativen Folgen des illegalen Glücksspiels. Er wies darauf hin, dass unkontrollierte Glücksspielaktivitäten die Gesundheit, die Finanzen und das Wohl ganzer Familien und Generationen gefährden. Zudem könnten die daraus resultierenden unregulierten Geldflüsse in kriminelle Aktivitäten wie Drogenhandel, Menschenhandel und politische Korruption reinvestiert werden. Petkov kritisierte das mangelnde Engagement Europas im Kampf gegen diese Problematik und forderte ein einheitliches Register für Regierungsbehörden, um den Schwarzmarkt besser bekämpfen zu können.
Erfolge im Kampf gegen illegale Anbieter
Die bulgarischen Behörden haben in den vergangenen Jahren verstärkt gegen illegales Glücksspiel vorgegangen. Laut NRA wurden seit März 2024 rund 2.500 illegale Glücksspielseiten geschlossen. Dennoch bleibt der Schwarzmarkt eine erhebliche Herausforderung, da zahlreiche neue Anbieter immer wieder auftauchen. Petkov wies darauf hin, dass die illegale Glücksspielbranche mittlerweile den regulierten Markt in puncto Angebot und Kundenzahlen überholen könnte.
Die bulgarische Regierung hat nicht nur illegale Plattformen ins Visier genommen, sondern auch die Werbung für Glücksspielanbieter deutlich eingeschränkt. Seit 2023 gilt ein umfassendes Werbeverbot für Glücksspiele in Fernsehen, Radio, Online- und Printmedien. Eine Ausnahme gibt es nur für Werbetafeln, die mindestens 300 Meter von Schulen und Bildungseinrichtungen entfernt aufgestellt werden. Zusätzlich müssen diese Schilder einen Warnhinweis zu den Gefahren des Glücksspiels enthalten.
Ein weiteres Mittel zur Eindämmung der Glücksspielsucht ist das Verbot von stationären Spielhallen in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern. Diese Maßnahme soll verhindern, dass Glücksspielangebote besonders in kleineren Städten überhandnehmen, wo es weniger Kontrolle durch die Behörden gibt.
Vergleich mit anderen EU-Ländern
Während Bulgarien strenge Maßnahmen gegen illegale Glücksspielanbieter ergreift, haben andere EU-Staaten unterschiedliche Herangehensweisen. In Deutschland gibt es beispielsweise eine bundesweite Lizenzvergabe, wobei alle legalen Anbieter über die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) registriert sein müssen. Dennoch kämpfen auch dort die Behörden mit einem großen Schwarzmarkt. Ähnlich sieht es in der Schweiz mit Spielerschutz und den Niederlanden aus, wo die Kansspelautoriteit (KSA) regelmäßig nicht lizenzierte Anbieter sperrt.
Ein Problem, das viele Länder gemeinsam haben, ist die schwierige Durchsetzung von Maßnahmen gegen internationale Anbieter. Viele illegale Plattformen operieren aus Ländern, in denen Glücksspielgesetze weniger strikt sind, und bieten ihre Dienste über das Internet in anderen Staaten an. Hier fordert Petkov eine stärkere Zusammenarbeit auf EU-Ebene.
Experten sind sich einig, dass der Kampf gegen illegales Glücksspiel eine Kombination aus repressiven und präventiven Maßnahmen erfordert. Neben verstärkten Sperrungen illegaler Seiten und höheren Strafen für Betreiber sollten auch Maßnahmen zur Aufklärung und Prävention intensiviert werden. Der Zugang zu legalen und sicheren Glücksspielangeboten könnte ebenfalls dazu beitragen, den Schwarzmarkt unattraktiver zu machen.
Langfristig könnte eine einheitliche europäische Regulierung Abhilfe schaffen. Eine zentrale europäische Behörde, die sich mit der Lizenzierung und Kontrolle von Online-Glücksspielanbietern befasst, wäre ein möglicher Ansatz. Bis dahin bleibt es jedoch an den einzelnen Staaten, ihre eigenen Maßnahmen durchzusetzen und den Kampf gegen illegales Glücksspiel fortzuführen.