Glücksspielbranche warnt vor Steuererhöhungen in Österreich
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Die Glücksspielbranche in Österreich steht vor großen Herausforderungen. Im Zuge der aktuellen Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP, SPÖ und NEOS wird über Maßnahmen zur Stabilisierung des Staatshaushalts diskutiert. Ein zentraler Punkt ist dabei eine Erhöhung der Abgaben für verschiedene Wirtschaftszweige – darunter auch das Glücksspiel. Unternehmen wie Casinos Austria und die Österreichischen Lotterien schlagen Alarm und warnen vor gravierenden Konsequenzen für den gesamten Sektor.
In einem offenen Brief betonen sie, dass drastische Steuererhöhungen existenzgefährdend sein könnten. Die Rede ist von möglichen Schließungen von bis zu 40 % der Spielstätten, was nicht nur Arbeitsplätze kosten, sondern auch zu sinkenden Steuereinnahmen führen würde. Besonders kritisch sehen die Unternehmen, dass sich eine solche Maßnahme langfristig negativ auf verschiedene Bereiche auswirken könnte – vom Sponsoring über soziale Projekte bis hin zur Werbebranche.
Hohe Abgaben trotz wirtschaftlicher Bedeutung
Casinos Austria und die Österreichischen Lotterien verweisen in ihrem Schreiben auf die hohe wirtschaftliche Bedeutung der Branche für den Staat. Allein im Jahr 2023 wurden 42,2 Millionen Euro an Unternehmensgewinnen an den Staat abgeführt. Zusätzlich kamen Steuern und Abgaben in Höhe von rund 724 Millionen Euro hinzu. Diese Summen zeigen, wie stark der Staat bereits jetzt vom Glücksspiel profitiert.
Die Unternehmen argumentieren, dass eine Erhöhung der Abgaben möglicherweise das Gegenteil des Gewünschten bewirken könnte: Statt Mehreinnahmen durch höhere Steuern könnten sinkende Gewinne dazu führen, dass die Steuerbasis schrumpft und letztlich weniger Geld in die Staatskasse fließt. Ein solcher Effekt sei bereits in anderen Ländern zu beobachten gewesen, in denen überzogene Besteuerungen zu einer Marktverkleinerung und einem Rückgang der Steuereinnahmen führten.
Auswirkungen der Glücksspielbranche in Österreich
Sollten die geplanten Abgabenerhöhungen umgesetzt werden, könnte dies dazu führen, dass zahlreiche Spielstätten schließen müssen. Schätzungen zufolge wären zwischen 30 und 40 % der Standorte betroffen, was Hunderte von Arbeitsplätzen gefährden würde. Auch das weitverzweigte Vertriebsnetz der Österreichischen Lotterien könnte massiv verkleinert werden. In ihrem Brandbrief sprechen die Glücksspielunternehmen davon, dass sich die Anzahl der Annahmestellen möglicherweise halbieren könnte, um trotz höherer Abgaben wirtschaftlich arbeiten zu können.
Neben den direkten Auswirkungen auf die Glücksspielbranche gibt es zahlreiche weitere Wirtschaftszweige, die indirekt betroffen wären. Eine Reduzierung von Sponsoring-Aktivitäten würde viele Sportvereine und kulturelle Einrichtungen in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Zudem könnten Medienhäuser Einnahmeverluste erleiden, da Glücksspielunternehmen traditionell große Werbekunden sind.
Suche nach einer gemeinsamen Lösung
Angesichts der drohenden negativen Konsequenzen appellieren Casinos Austria und die Österreichischen Lotterien an die Politik, gemeinsam nach einer tragfähigen Lösung zu suchen. Sie signalisieren ihre Bereitschaft, an Gesprächen teilzunehmen, um eine Lösung zu finden, die sowohl die Staatsfinanzen sichert als auch die Glücksspielbranche nicht übermäßig belastet.
Die Diskussion um die geplanten Steuererhöhungen zeigt, dass wirtschaftspolitische Maßnahmen oft weitreichende Folgen haben. Während die Regierung eine stabile Haushaltsführung anstrebt, stehen Unternehmen vor existenziellen Fragen. Ob ein Kompromiss gefunden wird, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass sich die Glücksspielbranche in Österreich in einer entscheidenden Phase befindet.